AN(GE)DACHT

An(ge)dacht August / September 2017

Gutes im Herzen behalten

Eine weise Geschichte

Zwei Freunde wanderten durch die Wüste. Während der Wanderung kam es zu einem Streit und der eine schlug dem anderen im Affekt ins Gesicht.
Der Geschlagene war gekränkt. Ohne ein Wort zu sagen, kniete er nieder und schrieb folgende Worte in den Sand: "Heu­te hat mich mein bester Freund ins Gesicht geschlagen."

Sie setzten ihre Wanderung fort und kamen bald darauf zu einer Oase. Dort beschlos­sen sie beide, ein Bad zu nehmen. Der Freund, der geschlagen worden war, blieb auf einmal im Schlamm stecken und drohte zu ertrinken. Aber sein Freund rettete ihn buchstäblich in letzter Minute.
Nachdem sich der Freund, der fast ertrun­ken war, wieder erholt hatte, nahm er einen Stein und ritzte folgende Worte hinein: "Heute hat mein bester Freund mir das Le­ben gerettet."

Der Freund, der den anderen geschlagen und auch gerettet hatte, fragte erstaunt: "Als ich dich gekränkt hatte, hast du deinen Satz nur in den Sand geschrieben, aber nun ritzt du die Worte in einen Stein. Warum?"
Der andere Freund antwortete: "Wenn uns jemand gekränkt oder beleidigt hat, sollten wir es in den Sand schreiben, damit der Wind des Verzeihens es wieder auslöschen kann. Aber wenn jemand etwas tut, was für uns gut ist, dann können wir das in einen Stein gravieren, damit kein Wind es jemals löschen kann."

Gutes im Herzen behalten. - Gar nicht so einfach. Oft lasse ich mich bestimmen von dem, was mich gekränkt oder gar verletzt hat. Da ist dann wenig Spielraum für Ver­gebung, Veränderung oder auch Heilung. Und: ich bin regelrecht blind für das, was mir an Gutem widerfahren ist...

Bei genauerem Hinsehen widerfährt mir aber Gutes. Hilfe und Anerkennung werden mir zuteil. Ein Mut machendes Wort richtet mich auf. Eine Hand hilft mir über eine Klip­pe hinweg...

Ganz sicher ist auch Ihnen Gutes widerfah­ren - wenigstens ein Quäntchen.
Behalten Sie doch die Erinnerung daran ganz fest im Herzen, als ob sie in Stein ge­meißelt wäre. Das gibt Ihrem Leben ein tragfähiges Fundament und ein dankbares Herz.

In unseren Gottesdiensten und Gemeinde­veranstaltungen versuchen wir uns das im­mer wieder bewusst zu machen und der Liebe und uneingeschränkten Annahme Gottes Raum zu geben.

 

Auch Sie sind / Du bist dazu eingeladen.

Thomas Härtel, Gemeindepastor